Die Prater Galerie gehörte in Ostberlin zu den zentralen Orten für zeitgenössische Kunst und war eng mit dem Zentrum für Kunstausstellungen der DDR (ZfK) vernetzt. Gemeinsam verbreiteten sie Kunstwerke aus der DDR und osteuropäischen Ländern durch Austauschprogramme – zumeist von Männern geschaffen.
Umso erfreulicher, dass die Räume nach etlichen Jahren der Sanierung nun im September wieder ihre Pforten öffneten und in ihrer aktuellen Schau Courage ausschließlich künstlerische Positionen von Frauen zu sehen sind. Ferner werden die Erfahrungen dreier Generationen im östlichen Europa zueinander in Beziehung gesetzt.
Den historischen Ausgangspunkt bilden Grafiken von Eva Vent aus dem ehemaligen ZfK-Bestand. Fotografin Gundula Schulze Eldowy und Magdalena Jetelová erweitern diesen Blick mit ihren Arbeiten. Die Fotografin fängt Stimmungen jenseits sozialistischer Moralvorstellungen ein und Jetelová thematisiert die politischen Umbrüchen in der Tschechoslowakei nach 1968. Besonders beeindruckend prägt Christa Jeitners Werk „Drei Banner“ den neu gestrichenden Raum. Die Webarbeit entstand in der Auf- und Umbruchsstimmung im Herbst 1989, in der verdrängte Erfahrungen nun öffentlich thematisiert werden konnten. Die jüngere Generation aus dem östlichen Europa, wozu Yevgenia Belorusets, Lesia Pcholka und Natalia Vatsadze gehören, setzt sich mit dem Kampf um Selbstbestimmung und Mitgestaltung auseinander.
Courage, also Mut, wirkt hier nicht als große Geste, sondern kann eher im Widerspruch und Beharren, im Bewahren und Fortführen von Erinnerung, in Solidarität und Verweigerung gelesen werden.
Die vielfältige Ausstellung über Künstlerinnen, Widerstand und gesellschaftliche Fragen wird abgerundet durch filmischen Interviews, die Leiterin Lena Prents mit ihren Vorgänger*innen wie Skip Pahler, Wolfgang Leber, Joachim Pohl oder Gabi Ivan führte. Den hier aufgezeigten Kontinuitäten und Brüchen in der bezirklichen Galeriearbeit zwischen 1967 und 2007 kannst Du per Kopfhörern nachspüren.
WO?
Pratergalerie
Kastanienallee 7-9
Berlin-Prenzlauer Berg, U Danziger Straße
WANN?
Mi–Mo von 12–20 Uhr
dienstags geschlossen
SPECIALS:
Rundgänge mit den Kuratorinnen Katharina von Hagenow & Susanne Weiß
Mi, 11. November, 18 Uhr
Mi, 16. Dezember, 18 Uhr

