Kabarettist und Schauspieler Michael Frowin feilte gemeinsam mit dem Künstlerischen Leiter der Dresdner Herkuleskeule Philipp Schaller am Text des Stückes, offensichtlich sind beide Star-Was-Fans. Regie übernahm erstmals Lilian Laeticia Haack. Mit Karsten Kramer und Jens Bache kannst Du auch gleich zwei neue Gesichter auf der Kabarett-Bühne entdecken.
Zum Plot: Wir schreiben das Jahr 2026 nach Christus und sind in Berlin. Es ist Großkampftag und eine Demonstration folgt der nächsten. Im Mittelpunkt steht Wolles Späti mitten im Regierungsviertel, wo alle mal vorbei schauen. Der Professor, der im Netz für sein Recht auf ein analoges Leben kämpft, Kleingärtner wehren sich gegen Immobilienspekulanten, renitente Rentner, die eine günstige SB-Bestattung fordern. Die ganze Bandbreite der Berlin- und Landespolitik wird in Wortkaskaden auf die Zuschauer losgelassen. Besonders gelungen sind die Versuche eines Offiziers, für die Bundeswehr zu werben: Der Wohnungsmarkt ist angespannt, die jungen Leute können sich kaum noch die Mieten leisten und leben immer länger bei Mama und Papa. Die Bundeswehr versteht sich als Lösungsansatz, es gibt dort Gratiszimmer, und im Gegensatz zu Mutti steht da der Russe vor der Tür. 80.000 neue junge Soldaten müssen eingestellt werden, aber für die Generation Z sind primär Social Media und Nachhaltigkeit wichtig. Das kann die Bundeswehr bieten, hier heißt es Green-Defense: Panzer fahren elektrisch, die Munition ist ökologisch abbaubar und die Särge sind vollständig kompostierbar. Auch zum Thema Work Life Balance könnte die Bundeswehr punkten: Es gibt jede Menge Kurzzeitparkplätze vor den Unterbringungen, damit die Mütter ihre Söhne jeden Morgen zum Krieg fahren können. Das klingt dann schon recht bissig, aber im Prenzlauer Berg in runtergebrochenem Maßstab realistisch, fette SUVs spucken am Morgen ihre Kinder aus, dann allerdings direkt in die Schule.
Großes Thema ebenfalls: Das Gendern. Wozu der Professor äußert, er hätte bei den Nutzern das Gefühl, denen sei die Nadel verrutscht und würde sie unbedingt zum Lokopäden schicken! Oder wir machen es, wie der österreichische Talkmeister und Hermes Phettberg vorschlug, ein „y“ an die weiblichen und männlichen Formen anzuhängen, nicht mehr der Raucher, sondern das Rauchy, im Plural: die Rauchys. Wunderbar. Ansonsten kannst Du Dich noch über Social Freezing, invasive China-Krabben in der Spree, Politiker, die auf der Welle der platonischen Sinnlosigkeiten surfen, informieren. Den passenden Song Schick’s zurück intoniert Mozart und prangert damit unsere Online-Käufe und den Konsumwahn an.
Unter allen Umständen offeriert der amüsante Abend ein galaktisches Abenteuer voller Bierdosen, leerer Politikerversprechen und musikalischer Einsprengseln, bei dem alle vier Schauspieler als Jedi, – ähem Späti-Ritter gegen die dunkle Seite der Macht kämpfen. Am Schluss ist das Bild rund, denn Meister Yoda, Darth Vader und der zottelige Chewbacca sind ebenfalls Gäste in Wolles Späti.
AUFFÜHRUNGEN:
Sa., 4.7., 20 Uhr
Di, 28.7.- Fr, 31.7.26, je 19.30 Uhr
alle weiteren Terrmine
SPIELDAUER:
ca. 2 Stunden 15 Minuten, inklusive 1 Pause
AKTEURE:
Jens Eulenberger – Wolle
Jens Bache – Mozart
Josepha Grünberg – Influencerin
Karsten Kramer -Professor
LOCATION:
Kabarett-Theater DISTEL
Friedrichstr. 101, Berlin-Mitte
S-und U-Friedrichstraße
distel-berlin.de

