Wie jeden August lockt der Innenhof der Stasi-Zentrale Filmfreunde aus allen Bezirken. Denn dann verwandelt sich der Campus für Demokratie in ein Open-Air-Kino. Auf der großen Leinwand lassen sich Filme mit Substanz entdecken oder aufs Neue anschauen. Der Fokus liegt auf DDR-Geschichte- und Aufarbeitung, Staatssicherheit oder Widerstand, allerdings ohne den erhobenen Zeigefinger.
Eingeläutet werden die Filmabende mit einem Intro. Hier stellen Akteure des Campus für Demokratie kurz ihre Arbeit vor. Nach dem Screening besteht die Chance, sich mit Filmschaffenden und Gästen, oft Zeitzeug*innen auszutauschen. Begleitend gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Ausstellungen und Führungen zum Thema des Abends.
Das Programm ist im Vergleich zu den Vorjahren leider etwas abgespeckt, aber wir kennen das aus anderen Bereichen: Überall muss gespart werden. Dennoch kannst Du Dich auf drei spannende Spielfilme freuen: In Zwei Leben gerät nach dem Fall der Berliner Mauer Katrines Welt ins Wanken. Denn sie wurde als Stasi-Agentin nach Norwegen eingeschleust. Nun stellt ihr Doppelleben eine akuten Bedrohung dar. In dem Drama über die Zerbrechlichkeit einer Lebenslüge bekleidet übrigens auch die grandiose Liv Ullman eine kleine Rolle. Nach der Filmvorführung wird Regisseur Georg Maas Rede und Antwort stehen. In Hunger auf Leben geht es um die Schriftstellerin Brigitte Reimann (gespielt von der blutjungen Martina Gedeck, siehe Filmplakat). Sie ringt um ein autarkes Leben zwischen gesellschaftlicher Enge, politischem Druck und persönlichen Krisen. Und zu Good Bye, Lenin! muss ich wohl nicht viel sagen. Der Film von Wolfgang Becker genießt Kultstatus. Kurzum: Frau Kerner fällt Oktober 1989 ins Koma und als sie aufwacht, ist die DDR verschwunden. Damit ihr schwaches Herz nicht wieder aussetzt, beschließt ihr Sohn Alex aka Daniel Brühl, den Mauerfall zu verheimlichen und die DDR im eigenen Zuhause zu simulieren.
Und wer etwas über die Musikszene in der DDR erfahren will, ist in Flüstern und Schreien gut aufgehoben. Das Roadmovie begleitet Bands wie „Feeling B“, „Silly“ und „Sandow“ bei ihren Auftritten in den 1980er Jahren quer durch die Republik und lässt Musiker*innen und als auch Fans zu Wort kommen.
Eine überschaubare Anzahl an Liegestühlen sind im linken Teil der Hofes aufgestellt. Wer den Rücken eher schonen will, ist in den Gartenstühlen gut aufgehoben. Ein Truck bietet Snacks und Getränke. Sich etwas mitzubringen, ist aber auch erlaubt. Dann bleibt mir nur, ein sommerliches Kinovergnügen mit Erkenntnisgewinn zu wünschen. Übrigens sind fast alle Filme englisch untertitelt, so dass Nicht-Mutterspachler*innnen auch auf ihre Kosten kommen.
WANN & WAS?
Do. 13.8. – Tunnel der Freiheit (Doku, 2021, Regie: Marcus Vetter, 95 min)
Mo, 17.8 – Zwei Leben (Spielfilm, 2012, Regie: Georg Maas, 97 min)
Di., 18.8. – Die Akte Lindenberg (Doku, 2010, Regie: Reinhold Beckmann und Falko Korth, 59 min)
Do. 20.8. – Stolz und Eigensinn (Doku, 2025, Regie: Gerd Kroske, 113 min)
Mo, 24.8. – Hunger auf Leben (Spielfilm, 2004, Regie: Markus Imboden, 95 min)
Di., 25.8. – Flüstern und Schreien (Doku, 1988, Regie: Dieter Schumann, 120 min)
Do, 27.8. – Good Bye, Lenin! (Spielfilm, 2003, Regie: Wolfgang Becker, 121 min)
jeweils 19.30 Uhr
WO?
Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie
Innenhof
Ruschestraße 103, Lichtenberg
U Bhf. Magdalenenstraße
FÜR?
freien Eintritt

