Nicht von ungefähr gehört Otto Wagner zu den herausragendsten Persönlichkeiten seines Fachgebiets. Die Tchoban Foundation widmet dem 1841 in Wien Geborenen eigens die Ausstellung: Otto Wagner – Architekt des modernen Lebens. Als Vorreiter innerhalb seiner Generation wandte er sich in den 1890er-Jahren konsequent vom Historismus ab und entwickelte eine moderne Formensprache, die auf Zweck, Material und Konstruktion beruhte. Wagner verstand seine Bauten als Modelle einer „modernen Architektur“. Er durchschaute schon damals die Macht der Medien und setzte sie konsequent ein: Texte, Zeichnungen und Fotografien wurden zu Werkzeugen im medial inszenierten Kampf um die Erneuerung der Architektur. Dabei standen Zeichnungen, in denen Projekte veranschaulicht wurden, die zwar keine Chance auf bauliche Umsetzung hatten, aber als Bild enorm wirkten, im Fokus.
Wagners Schüler an der Wiener Akademie der bildenden Künste setzten diese Strategie fort und wurden als „Wagnerschule“ zum Inbegriff der architektonischen Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg. Die technisch präzisen Blätter aus dem Atelier Wagners zählen heute zu den Meisterleistungen der Architekturzeichnung.
Die Ausstellung präsentiert einige der beeindruckendsten Zeichnungen aus dem rund 1.000 Blätter umfassenden Bestand des Wien Museums. Du erfährst, wie Wagner die Modernität seiner Architektur durch ihre neuartige Darstellung im Bild rüberbringt. Zudem werden in sechs Kapiteln die wichtigsten Stationen seiner Karriere verhandelt. Auch geht es um eine Art Heimkehr: In Berlin studierte Wagner an der Bauakademie und hatte Projekte für den Reichstag und den Dom vorgelegt. Und: er begegnete hier natürlich dem Werk des großen Schinkels, der nicht zuletzt durch die bildliche Inszenierung und Publikation seiner Bauten zu einem seiner wichtigsten Vorbilder wurde.

Wir springen nochmal kurz zurück ins Jahr 1894. Als ob die Professur an der Akademie der bildenden Künste in Wien nicht ausreichte, nein, Otto Wagner bekam noch den Auftrag für die künstlerische Gestaltung der Wiener Stadtbahn als leistungsfähiges Massenverkehrsmittel – der größte Auftrag innerhalb seiner Karriere. Im Zeitraum von neun Jahren wurden auf einer Gesamtlänge von 38 Kilometern 42 Viadukte, 78 Brücken, 15 Tunnel und Galerien sowie 36 Stationsgebäude errichtet. Beeindruckend raffinierte Skizzen hängen natürlich auch in der Schau.
Wagner baute, indem er zeichnete, und das konnte er einfach hervorragend. Im stressigen Alltag seines Ateliers, in dem teils bis zu 70 Mitarbeiter arbeiteten, beschränkte er sich jedoch meist auf Bleistiftskizzen, in denen er die wichtigsten Angaben zum Projekts machte. Die Eleven übernahmen dann die Fleißarbeit.
Der Großstadtarchitekt ist übrigens auch als Autor in die Annalen eingegangen. Seine Schrift „Die Baukunst unserer Zeit“ zählt bis heute zu den bedeutendsten und einflussreichsten Manifesten der Moderne. An dem Entwurf für den Einband des Buches, betont schlicht gehalten, kannst Du Dich ebenfalls erfreuen. Alles Revue passieren lässt sich im Séparée, dort liegt der Katalog zum Durchblättern bereit. Den Blick über den Teutoburger Platz bis hin zu den Dächern der Zionskirche schweigen zu lassen, gehört zum must, so die Jalousien nicht geschlossen sind.
Und falls Du mal nach Wien kommst und einen Abstecher zum Friedhof Hietzing schaffst, lässt sich dort Wagners Ehrengrab besuchen, er wurde 77 Jahre alt.
LOCATION:
Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung
Christinenstraße 18a, Berlin-Mitte
ÖFFNUNGSZEITEN:
Mo – Fr 14 – 19 Uhr
Sa & So 13 – 17 Uhr
An den Feiertagen
3.4.2026 14 – 19 Uhr
5.4.2026 13 – 17 Uhr
6.4.2026 14 – 19 Uhr
1.5.2026 14 – 19 Uhr
14.5.2026 14 – 19 Uhr
LAUFTZEIT:
bis 17. Mai 2026
EINTRITT:
6;-/erm. 4 €

