Eingang zur Staatsbibliothek in Mitte (Foto: AS)

Zeitung heißt Geschichten erzählen

Im 19. Jahrhundert gehörten die Berliner*innen zum zeitungsverwöhntesten Volk der Welt. Sage und schreibe bis zu 147 Tageszeiten wurden zur Blüte der Weimarer Republik hier verlegt, irre oder? Die Ausstellung Im Rhythmus der Großstadt – 100 Jahre Fotografie und Presse in Berlin spürt dem nach und präsentiert die Verzahnung von Fotografie und Journalismus mit urbanem Leben.

In drei langen Raumsegmenten kannst Du nun erkunden, wie lebendig Bild und Bericht miteinander verquickt sind – vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung in der Weimarer Republik, über Zensur und Propaganda im Nationalsozialismus bis hin zur geteilten Stadt und den unterschiedlichen Presselandschaften Ost- und West-Berlins. Ein schönes Intro gibt gleich ein achtminütiger Ausschnitt aus Walter Ruttmanns Klassiker Sinfonie einer Großstadt (1927).

Aufgegriffen werden Topics wie Fotografie im Gerichtssaal, wo Erich Salomon die Kamera in seinem Hut versteckte, auf Schwarzmärkten – Berlin trug den Beinamen „Stadt der Schieber“, aber natürlich gehören auch Führerkult und Sozialsozialismus dazu. Arthur Grimm hielt 1936 die Maikundgebung im Lustgarten in einem nahezu ikonischem Bild fest. Neuzeitlicher wird es dann beim Volksaufstand 1953 in der DDR, oder bei Staatsbesuchen, die in Zeiten des Kalten Krieges zu inszenierten Medienereignissen gehörten. Die Berliner Mauer, DDR-Flucht im Bild, Sportereignisse wie die Friedensfahrt, Union-Spiele in der Alten Försterei oder schlicht das Stadtleben, sei es 24 Tage lang, Menschen und Orte entlang der Buslinie M 29 festzuhalten, spiegeln anschaulich die gesellschaftlichen Konflikte der jeweiligen Zeit wider.

Anhand der präsentierten historischen Aufnahmen des bpk Fotoarchivs, Zeitungen aus der Sammlung der Staatsbibliothek und zeitgenössischen Arbeiten von Fotograf*innen der Agentur OSTKREUZ wird deutlich, wie sich die Bildsprache der Pressefotografie verändert, aber stets Ausdruck des urbanen Lebens bleibt.
Abgerundet wird die Schau durch präzise ausgewählte Fundstücke von Filmrollen unterschiedlichster Hersteller, Filmpapier, Diapositiven über nützliche Ordnungsutensilien bis hin zu älteren Apparate-Modellen wie die Rollfilmkamera Praktisix, mit der Herbert Hensky auch bevorzugt fotografierte.

Nimm Dir in jedem Fall etwas Zeit, um die Vielfalt und Dynamik der liebevoll kuratierten Ausstellung zu erkunden.

WANN?
Bis zum 20. Dezember 2026
Mi – So 10 – 18 Uhr
Do 10 – 20 Uhr
Mo und Di geschlossen

WO?

Staatsbibliothek zu Berlin
Unter den Linden 8
10117 Berlin Mitte

WIEVIEL?
Eintritt frei

Führungen:
donnerstags, 17.30 Uhr: 24.09. (auf En), 01.10., 29.10., 05.11., 26.11. (auf En) und 03.12. (auf En)
sonntags, 11 Uhr: 27.09., 04.10., 25.10. (auf En), 01.11. (auf En), 22.11., 06.12. und 20.12.26
Mit Kuratorin Miriam Zlobinski, donnerstags, 17.30 Uhr: 08.10. und 17.12.26


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