Architektur liegt meist eine Idee zugrunde und fast immer eine Entwurfsskizze. Das ausgesucht bebilderte Buch Häuser und Städte. Architekturzeichnungen, 1953–2026 widmet sich erstmals dem zeichnerischen Werk von Christoph Sattler. Dieser arbeitet bereits 1964 als selbstständiger Architekt während seines Studiums im Büro von Mies van der Rohe in Chicago. Zwei Jahre später ging er zurück nach Deutschland und war dann beruflich bis 1973 in der Planungsabteilung der Wohnungsbaugesellschaft Neue Heimat Bayern tätig.
Das Buch nun erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Kreuzberger Papierhalle.
Christoph Sattler (*1938 in München) gründete gemeinsam mit Heinz Hilmer (1939–2026) das Büro Hilmer & Sattler, das mit späteren Partnerinnen eine Vielzahl an Bauaufgaben realisiert hat: Das Wohnhaus für den Philosophen Jürgen Habermas, den Masterplan für den Potsdamer und Leipziger Platz, die Berliner Gemäldegalerie und das Berliner Stadtschloss sowie viele Wohn-, Hotel- und Kulturbauten unter anderem in München, Karlsruhe und St. Gallen. Sein Wirken als Architekt steht für die behutsame Erneuerung der europäischen Stadt – für Straßen, Plätze, Höfe und Gebäude, die sich nicht als unabhängige Objekte verstehen, sondern Stadträume ausmachen und kompettieren.
Die Zeichnungen bilden den sinnlichen und reflektierenden Kern von Sattlers Annäherung an die jeweilige bauliche Aufgabenstellung und sind nicht unbedingt vom Ehrgeiz, eine möglichst originelle Sprache als Ausdrucksform einer möglichst subjektiven architektonischen Haltung zu sprechen, geprägt.
Sie machen den Entwurfsprozess sichtbar und reihen sich in das Miteinander der zeichnerischen Architektursprachen der Moderne ein. Die Bandbreite der Arbeiten reicht von konzentrierten Bleistiftskizzen über expressive Studien zu urbanen Situationen bis hin zu sorgfältig schattierten Präsentationsperspektiven. Jede Darstellung findet ihre eigene Form, abgestimmt auf Bauaufgabe, Ort und räumliche Wirkung.
Die Publikation umfasst eine stattliche Auswahl von Sattlers Arbeiten, ergänzt durch drei Textbeiträge. Architekturhistoriker Andres Lepik beschreibt Sattlers Zeichnungen als „das Ausdrucksmittel, um eigene Ideen in die Welt zu tragen“; Journalist Bernhard Schulz würdigt Hilmer und Sattlers Architektur zwischen städtebaulicher Verantwortung, Tradition und Qualität, und Hochschullehrer Peter Schmid untersucht die zeichnerischen Verfahren, Vorbilder und Ausdrucksqualitäten des Werks – von Linienführung und Schraffur bis zu Perspektive und Eigenschatten.
Die Ausstellungseröffnung findet in zwei Teilen, am Dienstag und am Mittwoch statt.
WANN?
Die, 13. 10.26, 18.30 Uhr, in Anwesenheit von Christoph Sattler
Mi, 14. 10.26, 19 Uhr, Lesung von Hanns Zischler, mit Texten u.a. von Jakob Grimm, Leo von Klenze und Benno Meyer-Wehlack
WO?
Papierhalle des Wasmuth Verlag
Axel-Springer-Straße 43
Berlin -Kreuzberg
EINTRITT
frei, um Anmeldung an den Eröffnungstagen wird jeweils gebeten unter info@wasmuth-verlag.de
Laufzeit ist dann bis 8. November 2026

