Bernd Kötting bei Teckel TV (Foto: Julia Lemke)

Teckel TV – neue Show

Seit letztem Jahr veranstaltet Bernd Kötting, den ich hier schonmal mit seinem Roman „Mit dem Rücken zur Theke“ vorgestellt habe, seine eigene Talkshow. Und zwar in der Neuköllner Kiezbar PoshTeckel, von der auch der Name entliehen ist. Also runter vom Sofa, rein in die U8. Sei live dabei, wenn der Entertainer diesmal mit Neutronenwissenschaftler Robert Charles Wimpory, Schauspielerin Sarah Maria Besgen und Musiker Cornelius Plappert parliert.
Falls Du kein Stammkunde im Teckel bist und noch ein wenig Hintergrundwissen sowohl über Bar als auch über diese species Hund erhaschen willst, finde Dich etwas eher ein. Denn vor der Show gibt es für alle Interessierten ein Screening der Dokureihe „Die rbb reporter“ mit dem halbstündigen Special „Der Dackel ist zurück!“, das quasi zeitgleich und live on air ausgestrahlt wird.

WANN?
Samstag, 19.5., 20 Uhr,
Screening  ab 18.30 Uhr

WO?
Posh Teckel
Pflügerstraße 4

FÜR?
5 Euro Eintritt

Ich habe Bernd getroffen und ihn zur Show befragt. Seine ausführlichen und erhellenden Antworten
kannst Du hier lesen:

Nach welcher Vorgehensweise suchst Du Deine Gäste aus?
In der Regel habe ich zu meinen Gästen einen persönlichen Bezug. Mal
habe ich ein außergewöhnliches Konzert gesehen und möchte den
Musiker kennenlernen, mal komme ich in einer Bar zufällig am Tresen mit
jemandem ins Gespräch. Sobald ich das Gefühl habe, einen geistreichen
Menschen vor mir zu haben, der bereit ist, sich vor Publikum mit mir zu
unterhalten, ist er auch schon ein Kandidat für Teckel TV. Leute, die mir
persönlich noch nie begegnet sind, würde ich eher ungern in die Show
einladen.

Sollte es immer eine gute Mischung aus Wissenschaftler und Künstler
sein, oder ist das egal?
Grundsätzlich habe ich pro Show drei Gäste, die natürlich aus
verschiedenen Genres kommen sollten. Bislang meist Musiker und
Filmschaffende, aber auch Sportler oder Schriftsteller wären bei mir
herzlich willkommen. Insbesondere lade ich aber auch Gäste ein, die nicht
an exponierter Stelle stehen und dennoch ungewöhnliche Geschichten zu
erzählen haben. Nur die ganz große Prominenz hat bei Teckel TV keinen
Platz. Wer das Privileg hat, sich ohnehin permanent vor Millionen von
Zuschauern zu äußern, benötigt mit Sicherheit nicht noch ein weiteres
Forum in einer Bar. Zudem hätte ich an Helene Fischer oder Markus Söder
sowieso keine einzige Frage.

Gibt es ein Topic pro event, das diskutiert wird?
Die Frage wird mir interessanterweise recht häufig gestellt. Offensichtlich
denken viele Leute beim Stichwort „Talkshow“ an Formate wie
„Maischberger“ oder „Anne Will“. Aber Menschen in einem
Stühlchenkreis zu platzieren, damit sie eingeübte Statements zu einem
vorgegebenen Thema rausblasen, um ihr Klientel zu befriedigen – so ein
Quatsch würde mir nie in den Sinn kommen. Bei Teckel TV wird jeder Gast
zu seinem eigenen Thema einzeln interviewt.

Bist Du ein strenger Moderator, oder kriegen die Gäste beliebig
viel Zeit
zum Reden?
Ich gehe in jedes Gespräch mit einem sorgfältig ausgearbeiteten
Fragenkatalog und einer sehr genauen Vorstellung über den Ablauf und
die Länge des Interviews. Meist übernehmen die Gäste allerdings schon
nach kürzester Zeit das Kommando, mein Konzept ist dahin, und das
Publikum belustigt sich über meine hilflosen Versuche, das Gespräch
wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Das mag gelegentlich chaotisch
wirken, ist letztendlich aber gewollt. Ich möchte meinen Talk-Gästen
keinesfalls die Freiheit nehmen, über die Themen zu reden, die sie
bewegen – auch wenn ich gar nicht danach gefragt habe. Und Strenge
würde ohnehin nicht ins Konzept passen. Teckel TV ist
Unterhaltungsprogramm, kein Enthüllungsjournalismus. Bei mir soll der
Talk-Gast ebenso viel Spaß an der Show haben wie das Publikum.

Wohin willst Du mit der Show, was ist Deine Idealvorstellung?
Ins
Fernsehen;-)?
Sollte ich jemals ein Angebot bekommen, Teckel TV ins Fernsehen zu
bringen, dann wäre meine Antwort ein klares „Nein!“. Ich habe ja bereits
eine gewisse Fernseh-Vergangenheit und weiß, wie viel Einfluss die
Sender und Produktionsfirmen ausüben. Mich zugunsten des Kommerzes
irgendwelchen Zwängen zu unterwerfen, ist für mich keine Option. Zudem
würde es dem Ziel der Show komplett zuwiderlaufen. Teckel TV bedeutet
„Real-Life- Entertainment“ – es geht mir doch gerade darum, dass die
Leute ihren Arsch vom Fernseher wegbewegen und sich im echten Leben
treffen. Deswegen gibt´s auch keinen Stream oder YouTube-Videos der
Show.

Wie bereitest Du Dich vor?
Ich betreibe zu jedem meiner Gäste eine intensive Internet-Recherche.
Heutzutage finden sich ja über jeden, der sich aus der Deckung des
Privatlebens wagt, irgendwelche Kommentare oder Berichte im Netz,
oftmals ohne Wissen des Betroffenen. Und aus der Recherche ergeben
sich in der Regel schon mehr als genügend Fragen. Lediglich bei einem
meiner Gäste – einem Schlagersänger – hat das leider überhaupt nicht
geklappt. Er überraschte mich in der Show mit der Aussage, dass er jede
einzelne Konzertkritik und jeden Artikel über sich in Wahrheit selbst
geschrieben hatte.

 

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