Innenraum der Ausstellung (@Claudia Skoda)
Innenraum der Ausstellung (@Claudia Skoda)

Claudia Skoda | dressed to thrill

Diese energiegeladene Frau muss man einfach näher kennenlernen. Nicht umsonst gilt sie als Ikone der Westberliner Undergroundszene der 70er und 80er Jahre. Mit ihren körperbetonten Strickdesigns und irrsinnig kreativen Modeschauen, die eher Performances glichen, sorgte sie in der Inselstadt für Aufruhr.

Die gebürtige Berlinerin Skoda war zunächst als Verlagslektorin tätig und fertigte die Strickkleider erst nur für sich und für den Freundeskreis. 1972 bezieht sie mit Freunden und Kollegen eine Fabriketage in der Zossener Straße
und macht sich dort als quasi Autodidaktin an der Strickmaschine selbstständig. Vom Entwurf über die Herstellung bis hin zum Verkauf hat sie alle Fäden selbst in der Hand. Ihr Label nennt sie fabrikneu, wie eben die Wohn- und Ateliergemeinschaft in Kreuzberg. Drei Paare hatten die Etage umgebaut, um dort gemeinsam zu leben und zu arbeiten. Mit dabei waren neben Claudia Skoda und ihrem Mann Jürgen unter anderem die Malerin Angelik Riemer mit Super-8-Filmer Rainhardt Bock und Jenny Capitain, die später für Helmut Newton modelte. Die Etage diente als Atelier, Proberaum, Werkstatt und Boutique zugleich und wurde bald als kleine Schwester von Warhols Factory in New York gehandelt.
In der Ausstellung dressed to thrill werden Fotos dieser Ära präsentiert, die von inzwischen ebenfalls renommierten Künstlern wie Ulrike Ottinger, Jim Rakete oder Martin Kippenberger geschossen wurden. Auch laufen digitalisierte Super-8-Filme, die in die Stimmung der avangartistischen daher Konzeptmodenschauen, die Skoda ab Mitte der 70er Jahre ausrichtet, eintauchen lassen. Sie wählt dazu Locations wie das Ägyptische Museum, die Kongresshalle oder den Lichthof der TU. Bis heute fertigt Skoda zwei Kollektionen pro Jahr. Dafür lässt sie sich von einem selbst gewählten Thema wie etwa Fruits oder Mobil zu neuen Formen, Farbkombinationen, Mustern, Materialien inspirieren und erfindet quasi den Strick neu. An Modellpuppen im zweiten Ausstellungsareal kannst Du diese wunderbar vielseitigen, außergewöhnlichen, teils sehr sexy, schillernden, transparenten, auch mit Lurex verarbeitete Kleider bewundern.
Zudem geben liebevoll gestaltete Schautafeln dezidiert Auskunft über das Leben und Wirken des inzwischen 78-jährigen Ausnahmetalents Skoda. Als besonderes Gimmick lassen sich Kopfhörer an Eisen-Rohre klinken und ausgesuchte O-Tönen landen direkt auf Deinen Ohren.

WANN?
Di, Mi, Fr 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr
Sa+So 11-18 Uhr
bis 29. August

WO?
Kulturforum
Matthäikirchplatz 6
10785 Berlin

Für den Besuch brauchst Du unbedingt ein Zeitfensterticket und eine Maske.
Ein Test ist nicht notwendig.

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