Bild Schwarz Rot Gold 690 No. 1 von 2017 (Foto: Anne Schüchner/©Janine Mackenroth)

Janine Mackenroth: PANGLOSSIAN

‚What the hell means Panglossion‘, fragst Du Dich? Jetzt kommt die Aufklärung: Der Begriff ist an die positiv eingestellte Figur Pangloss aus Voltaires Novelle „Candide oder der Optimismus“ aus dem Jahre 1759 angelehnt. Diese Satire richtet sich unter anderem gegen die optimistische Weltanschauung Gottfried Wilhelm Leibniz‘.

Janine Mackenroth stimmt Candides Sicht bei und spielt mit den überlieferten Ansichten zu Künstlern. Das Thema und das extreme, vorherrschende Ungleichgewicht Männer vs. Frauen in der Kunstszene veranlasst die in München Geborene vor vier Jahren zum Bau ihrer ersten Nagellackmalmaschine. Aus dem scheinbaren Unvermögen der 30-Jährigen, ordentlich zeichnen zu können, entwarf und patentierte Mackenroth Konstruktionen, die das Malen für sie übernehmen – entsprechend der Behauptung des Künstlers Georg Baselitz „Frauen malen nicht so gut. Das ist ein Fakt.“
Nagellack ist durch seine Geschichte eher den Frauen zuzuordnen. Mackenroths aktuelle Arbeit mit Lacken und anderer Kosmetik ist als Kommentar zu einer noch immer männlich dominierten Kunstwelt zu sehen und versteht sich als zum Gemälde SCHWARZ ROT GOLD 760 No.1 geronnener Feminismus, das aus dem Inhalt von 760 Fläschchen entstand.

Das Wegwerfen von Gallonen teurem Nagellack ist eine selbstbewusste Umsetzung vor dieser Kunstwelt, die quasi die Emanzipation auf die Leinwand schüttet. Die Materialität und konzeptionelle Gestaltung ihrer Projekte soll als Herausforderung verstanden werden.

Janine vor ihren 24 Bildern zum Adventskalender (Foto: Anne Schüchner )
Janine vor ihren 24 Bildern zum Adventskalender (Foto: Anne Schüchner )

Im engen Zusammenhang damit steht die Serie PAPERWORKS. Seit 2015 fertigt die Künstlerin Zeichnungen mit Lidschatten, Lippenstift, Mascara an. 24 Stück davon präsentiert sie als Adventskalender, jeden Tag eine, die über Instagram gekauft werden können.

Mackenroth, die in der Akademie in München und Hamburg Kunst studierte, greift damit erneut auf Schönheitsprodukte zurück, die sie umnutzt und ihren Wert in Form von Kunst unterstreicht. Gleichzeitig stellt es aber auch ein Verweis auf Massenmedien und deren Normalität und Nützlichkeit in Leben und Beruf dar.

Vergoldeter Siegelring in Form eines Revolvers (Foto: Anne Schüchner)
Vergoldeter Siegelring in Form eines Revolvers (Foto: Anne Schüchner)

Außerdem hat sie einen Siegelring, früher eher der Männerwelt vorbehalten, entworfen. Einerseits soll dieses Schmuckstück als Erkennungsszeichen unter Frauen im schaffenden Kunstbetrieb gelten. Und anderseits auch die Möglichkeit bieten, Briefe damit zu versiegeln. Den Ring, versilbert oder vergoldet, dürfen Männer nicht tragen, er soll zur gegenseitigen Unterstützung der Frauen in der Kunstwelt dienen.

Location:
Galerie aquabitArt, Augustr. 35, Berlin Mitte

Vernissage:
Donnerstag, 5. 12.2019, 19-22 Uhr

Öffnungszeiten:
Donnerstag – Samstag, 14-20 Uhr
und nach Vereinbarung

Laufzeit:
bis 12. Januar 2020


2 comments on “Janine Mackenroth: PANGLOSSIAN

  • Warum sollte ich ausgerechnet eine Knarre als Siegelring tragen? Etwas, das in erster Linie Männer nutzen, um ihren Führungsanspruch auf der Welt gewaltsam durchzusetzen? Manchmal frage ich mich auch, warum meine Mit-Künstlerinnen manchmal so jämmerlich einfallslos sind und das Prinzip von Konzept und Abstraktion in der Kunst nicht mehr drauf haben. Vielleicht, seitdem Banksy alles zur Kunst erhoben hat, was man in einer Sekunde versteht und ein Gefühl evoziert. Nagellack-, Mascara- und Lippenstiftbilder oder Plakate mit Kuchenstücken (ein verbildlichter Kalauer, nicht zu fassen), wow, that’s deep. Und das ganze soll dann „geronnener Feminismus“ sein. Mit wird schlecht. Was kommt als nächstes, die vergoldete Menstruationstasse? Da muss man schon echt tolerant sein, um so eine Flachware noch als Kunst bezeichnen zu wollen. Pun intendet.

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