Wolf Leos Einladung Frottage in drei Prozessen (Foto: Anne Schüchner)
Wolf Leos Einladung zu "Frottagen" in drei Prozessen (Foto: Anne Schüchner)

Leo-Frottagen

Das, was ein bisschen nach Frottee klingt, hat hier nur peripher mit Kleidung zu tun. Vorrangig handelt es sich um eine Drucktechnik, die Wolf Leo quasi weiter entwickelte und nun unter die Leute bringen will. Übersetzen lässt sich Frottage schlicht und ergreifend mit Abreibung. Dabei wird die Oberflächenstruktur eines Gegenstandes mit Kreide oder Bleistift auf Papier übertragen. Klassisches Beispiel hierfür ist die Geldmünze, die auf dem Löschblatt erschien, rubbelstest Du sie mit Bleier ab, was Du sicher schon als Kind ausprobiert hast.
Leo walzt die Frottage auf einer Glasscheibe nun ab, schneidet zuvor mit dem Cutter aus, was dann als Negativ erscheint oder die Fläche für den Hintergrund entstehen lässt. Für ihn ist der Druckprozess das Kreative, nicht nur das Herausschneiden aus dem Karton, Linoleum oder anderem Material. So entstehen zufällige, immer unterschiedliche Resultate, kein Werk gleicht dem anderen. Auch lassen sich durch Bearbeiten des Papiers, beispielsweise vorheriges Knautschen, spannende Effekte erzielen.

Wolf Leo vom Supalife Kiosk (Foto: Anne Schüchner )
Wolf Leo vom Supalife Kiosk (Foto: Anne Schüchner )

Wolf Leo, Baujahr 1942, ist gelernter Retuscheur, bevor er an der Fachschule für Angewandte Kunst in Berlin Grafik und Design studierte. Aber auch als Filmvorführer bei der Volksarmee konnte er punkten. Seither ist er freiberuflich unterwegs und bedient von Grafik über Malerei und Plastik bis hin zur Installation sämtliche Kunstgenre. Ein Bild entsteht bei ihm immer zwischen Sender und Empfänger als eine Art optisches Spiel. Denn jeder kann es frei interpretieren. Stets arbeitet er aus dem Bauch heraus und experimentiert solange hin und her, bis die Erkennbarkeit minimiert ist. Sich selbst sieht er nicht als Künstler, sondern als Spieler, der Linie, Farben, Materialien variiert. Mal arbeitet er mit Ölkreide, mal mit Kanülen, mal mit Kohle.

Wolf Leos Frottage "Kleine Nymphe" (Foto: Anne Schüchner)
Wolf Leos Frottage „Kleine Nymphe“ (Foto: Anne Schüchner)

Ein Thema, das es ihm angetan hat ist der Torso. Oft setzt er sich künstlerisch mit dem menschlichen Körper ohne Kopf und Gliedmaßen auseinander. Der Pergamonaltar stand Pate für seine Kleine Nymphe, im Jahr 2015 ebenfalls als Frottage umgesetzt. Den weiblicher Naturgeist kannst Du mit ca. zwanzig weiteren Arbeiten im hinteren Raum des Supalife Kiosks bestaunen und ansonsten das eine oder andere Werk Leos, das sich manchmal auch auf bestimmte Etappen in seinem Leben bezieht, entdecken.

Wenn Du dann so begeistert bist, dass Du mehr über den sympathischen Spieler wissen willst – auch kein Problem. Denn Leo hat in Eigenregie seine Lebensgeschichte herausgebracht. Und, wie soll es anders sein, mit selbst gestaltetem Buchcover.

Leos Buch "Asphaltbaby" Inhalt (Foto: Anne Schüchner
Leos Buch „Asphaltbaby“ Inhalt (Foto: Anne Schüchner

VERNISSAGE:
Samstag, 8.8.20, 19 Uhr

LOCATION:
Supalife Kiosk
Raumerstr. 40
Berlin – Prenzlauer Berg

ÖFFNUNGSZEITEN:
Montag bis Freitag
11 – 19 Uhr
Samstag
11 – 20 Uhr

LAUFZEIT:
bis 3. September

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