FIlmstill aus 'Nach der Hochzeit' (©Universium Film)
FIlmstill aus 'Nach der Hochzeit' (©Universium Film)

„Nach der Hochzeit“

In dem spannend inszenierten Film von Susanne Bier, die Du vielleicht schon vom Dogma-Streifen „Für immer und ewig“ kennst, geht es um ein moralisches Dilemma. Auch werden Familiengeheimnisse zutage gefördert, die auf den ersten Blick so nicht ersichtlich wären. Und selbstredend wird das Konzept Ehe und die Familie als Ganzes auf Schwachstellen und Lücken abgeklopft.

Der Film beginnt in Indien. Jacob, verkörpert vom charismatischen Mads Mikkelsen, hat seiner Heimat Dänemark schon lange den Rücken gekehrt und widmet nun sein Leben den Straßenkindern des Subkontinents. Natürlich mangelt es hinten und vorne an Geld, und das Waisenhaus, das er leitet, steht wohlmöglich vor dem Aus. Da wird ihm plötzlich eine großzügige Spende offeriert. Einzige Prämisse: Er muss nach Dänemark reisen. Dort trifft er den nebulösen Spender Jørgen, ebenfalls mit einem beeindruckend intensiv auftretenden Rolf Lassgård besetzt, der sich als überaus großzügiger Sponsor anbietet. Für Jacobs humanitäre Arbeit scheint sich der Unternehmer allerdings kaum zu interessieren.
Seine Familie bereitet titelgebende Hochzeit vor. Als Jacob auf Einladung seines Gastgebers das Fest von Tochter Anna besucht, findet er heraus, dass es sich bei der Brautmutter um seine Jugendliebe Helene handelt. Für ihn stellt sich nun die Frage, ob es es sich hier um puren Zufall handelt oder vielleicht Teil eines ausgeheckten Plans ist. Außerdem wird fällt es ihm wie Schuppen von den Augen, dass Anna seine Tochter ist. Nun muss er eine Entscheidung treffen: Soll er in Dänemark bleiben oder nach Indien zurückkehren, wo das Waisenkind Pramod, ein munterer kleiner Junge, den er besonders in sein Herz geschlossen hat, auf ihn wartet.

Natürlich kommt alles anders, als es aussieht. Und so manches Klischee – wie beispielsweise postwendender Ehebruch – wird nicht ausgespart. Aber dank der großartigen Schauspieler gelingt es dem Film, nicht zu larmoyant zu wirken. Neben Mikkelsen und Lassgård, die sich als Widersacher kaum etwas nehmen, verkörpern beide Frauen auch eindringlich ihre Rollen: Sidse Babett Knudsen als zum Establishment gehörende Gattin, die man sich dennoch als einstige Hippie in Indien gut vorstellen kann und Stine Fischer Christensen als ihre zart-sensible Tochter Anna. Um nicht alles zu spoilern, noch soviel: Das Ende bleibt unerwartet erfrischend und entlässt den Zuschauer mit dem guten Gefühl, dass nicht doch alles Glück der Welt käuflich ist.

ZU SEHEN IN DER
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BIS ZUM:
Sonntag, 14.3.2021

CREDITS
Land – DK, S, UK (2006)
Regie – Susanne Bier
Drehbuch – Susanne Bier/Anders Thomas Jensen
116 min

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