Eingang zum Babylon (Foto: Anne Schüchner)

Achtung Berlin – Klappe, die Fünfzehnte

Das Juwel unter den kleineren, aber feineren Filmfestivals Achtung-Berlin-Festival geht in den Quarter und scharrt in den Startlöchern.

Einmal mehr wird Bilanz der gegenwärtigen Filmproduktionen in Berlin und Brandenburg gezogen. Wie auch in den letzten Jahren hat das Filmfestival die Förderinstitution Medienboard, in Babelsberg residierend, mit an Bord.

Eine satte Woche lang kannst Du bei „Achtung Berlin“ aus über 80 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen wählen. Eröffnet wird die 15. Festivalausgabe am Mittwochabend, 10. April im International mit dem humorvollen Beziehungsdrama „Kim hat einen Penis“ von Philipp Eichholtz. Der Regisseur sowie Schauspieler*in Martina Schöne-Radunksi, Christian Ehrich und Lana Cooper werden Dich mit ihrer Anwesenheit beglücken und ein paar Worte zum Film verraten.

Filmstill zu "Kim hat einen Penis" (Foto: limelight PR)
Filmstill zu „Kim hat einen Penis“ (Foto: limelight PR)

In der Sektion Berlin Independent werden Spielfilme wie „Kreuzberg“ des Kanadiers Carl Bessai  oder „Wenn Fliegen träumen“ von der allseits geschätzen Katharina Wackernagel gezeigt. Hier geht es um Einsamkeit, Verlust und Tod. Katharina, die den Film gemeinsam wie fast immer mit ihrem Bruder Jonas, der das Buch geschrieben hat, produzierte, schafft es aber, diese Themen mit einer Leichtigkeit und großen Portion Humor anzugehen. So wird aus der Suche nach dem verlorenen Vater ein Roadmovie, in dem Dir wundersam schöne und durchgeknallte Gestalten begegnen und alle Absurditäten der Welt schier aufeinandertreffen. Der Film mit einem krachenden Soundtrack, zu dem es tatsächlich auch eine LP gibt, die Jonas herausgebracht hat, läuft dann am
27. Juni 2019 in allen Kinos an. Nicht verpassen!

Filmstill aus "WenFliegen träumen" (Foto: AS)
Filmstill aus „Wenn Fliegen träumen“ (Foto: AS)

In der Sektion Berlin Documents warten sechs Arbeiten auf Dich. Hier ganz amüsant die Weltpremiere von „Berlin4Lovers“, ein 72 minütiger Beitrag und das Debüt von Leonie Loretta Scholl, in dem es ganz zeitgemäß ums Onlinedaten geht. Fünf Jungs und fünf Mädels – leider alle Zugegezogene – berichten über ihre Erfahrung mit der Stadt und der Wisch-nach-rechts-oder-nach-links-App. Scholl fand ihre Protagonisten über Facebookaufrufe, Instagram oder alte Schulkontakte. Schlussendlich sind alle zehn der gleichen Meinung: Wenn Du nicht mit Dir selbst im Reinen bist und für Deinen job brennst, macht es keinen Sinn, das Defizit mit einem Partner in spe ausgleichen zu wollen. Und hier führt die 25-jährige Sarah, Model und Upcycling-Modedesignerin die Riege an.

Sarah, Modedesignerin - eine der Protagonisten aus Berlin4Lovers (Foto: AS)
Sarah, Modedesignerin – eine der Protagonisten aus Berlin4Lovers (Foto: AS)

Ebenfalls wieder am Start und das dritte Mal dabei ist Reihe „Berlin Series“. Hier werden „Wir sind jetzt“ (RTL II), „8 Tage“ (SKY Deutschland) und „Dogs of Berlin“ (Netflix) zur Uraufführung kommen.

Neben 12 Spielfilmen im Wettbewerb flimmern zehn Dokfilme, jede Menge Kurzfilme und auch fünf Perlen der Berliner Idependent Szene über die Leinwand. Außerdem gibt es wie immer Workshops, Parties, Konzerte, Filmgespräche und diverse get-to-gether. Unter den Spielfilmen sind einige Arbeiten, die schon auf Festivals liefen und quasi die Feuertaufe bestanden haben. Herausragend zum Beispiel hier „Frau Stern „oder auch sehr aufwühlend „Das schönste Paar“ unter der Regie von Sven Taddicken.  Luise Heyer wurde für ihre Rolle als Liv beim Deutschen Filmpreis als beste weibliche Hauptrolle geehrt. An ihrer Seite: Maximilian Brückner.

Die Retrospektive gilt dieses Mal dem Jubiläum des Mauerfalls. Man mag es kaum glauben, aber tatsächlich hat dieses schon sagenhafte 30 Jahre auf dem Puckel! Hier spüren die ausgewählten Filme dem Lebensgefühl der 80er und 90er nach und geben den Blick auf Ostberlin, Westberlin und der schlussendlich wiedervereinigten Stadt frei.

So stehen Kultstreifen wie „Solo Sunny“ von Konrad Wolf, „Westler“ von Wieland Speck (ja, dem ehemaligen Panoramasektionsleiter der Berlinale) oder „Coming out“ von Heiner Carow auf dem Programm.

Berlin spielt also die Rolle des Hauptakteurs, die erste Geige ja sowieso. Hier nun als Filmschauplatz und identitätsstiftendes Element.

Ansonsten gebührt den Machern Sebastian Brose und Hajo Schäfer wie immer einen großen Dank.

Festivalleiter Sebastian Brose und Hajo Schäfer (Foto: Anne Schüchner)
Festivalleiter Sebastian Brose und Hajo Schäfer (Foto: Anne Schüchner)

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Viel Vergnügen bei ACHTUNG BERLIN!
Das gesamte Programm des Wettbewerbs findest Du unter: achtungberlin.de

ZEITRAUM:
10-17. April 2019

TEILNEHMENDE KINOS:
Babylon, Filmtheater am Friedrichshain, International, Bundesplatz-Kino, Brotfabrik Kino, Lichtblick, ACUD, fsk, City Kino Wedding, Tilsiter Lichstpiele

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