Filmstill aus "Frau Stern" (Foto: AS)

Das einfühlsame Porträt von „Frau Stern“

In dem liebevoll gedrehten Film „Frau Stern“ kannst Du Bekanntschaft schließen mit einer Seniorin der ganz besonderen Art. Frau Stern geht auf die 90 zu und ist Jüdin. Sie hat den Holocaust überlebt und auch sonst mit ansehen müssen, was Du Deinem ärgsten Feind nicht wünscht. Gemeinsam mit ihrem Mann, der allerdings auch nicht mehr unter den Lebenden weilt, hat sie die weise Entscheidung getroffen, zu verzeihen, jedoch nicht zu  vergessen.

Der Film präsentiert Dir keine Schrecksszenarien aus der Vergangenheit, sonder ist in der Hier- und Jetztzeit angesiedelt. Vom dramtischen Schicksal, das Frau Stern ereilte, können wir nicht Bruchteile erahnen. Wir sind mit einem Energiebündel an Frau konfrontiert, die durch die Straßen Neuköllns und anderer Bezirke turnt wie ein junges Reh. Sie hat ihre Stammkneipe, die Barkeeperin (in kleiner, aber feiner Rolle: Jule Böwe) stellt ihr schon immer das Glas Weißwein auf den Tresen, wenn sie als Gast vorbei schaut. Dennoch scheint Frau Stern irgendwie ihres Lebens überdrüssig und sinniert, wie sie am besten sterben könnne. Mit dem Ertränken in der Badewanne klappt es schon mal nicht. Irgendwie braucht sie eine Pistole. So wendet sie sich vertrauensvoll an ihren Späti-Verkäufer, ihren Dealer oder die Freunde ihrer Enkelin. Aber keiner kann weiterhelfen. Nur der Zufall, und der spielt ihr dann doch eine Waffe in die Hand …

So eine Oma wie Frau Stern wünscht sich wohl jeder. Sie ist immer noch neugierig auf das Leben und extrem jung geblieben. Wohl auch deshalb, weil sie sich gerne mit der Jugend umgibt. Sie tanzt und trinkt mit ihnen, intoniert spontan ihr Lieblingslied „Summertime“, raucht wie ein Schlot und  zieht auch mal den einen oder anderen Joint durch. Jede Woche einmal kommt ihr Privatfriseur nach Hause und schneidet ihr das Haar. Ihre Kultiviertheit zeigt sich beim Abendessen mit Messer und Gabel, dem ausgesuchten Schmuck. Und natürlich kommt sie den vermeintlich besorgten Nachbarn schnell auf die Spur. Große Empathie zeichnet sie aus, Stimmungsschwankungen der Enkelin Elli kriegt sie sofort mit und Liebe – ganz klar, ist kein Zufall, sondern eine Entscheidung.

Regisseur Anatol Schuster, Kameramann Adrian Campean, Enkelin Elli Kara Schröder, vrnl (Foto Anne Schüchner)
Regisseur Anatol Schuster, Kameramann Adrian Campean, Enkelin Elli Kara Schröder, vrnl (Foto Anne Schüchner)

Mit Ahuva Sommerfeld hat Regisseur Anatol Schuster, der 1985 in Darmstadt geboren ist, eine großartige Darstellerin gefunden. Ihm ist ein wunderbarer, feinsinniger Film gelungen, der auch eine leise Ironie in sich birgt. So nah wie Frau Stern kommst Du selten einer Hauptfigur im Kino. Er macht Mut zum Älterwerden und stellt eine Verneigung vor dem Leben dar. Gleichzeitig erweist sich Schusters Arbeit als große Hommage an Sommerfeld, die leider vor zwei Monaten starb.

Der Film wurde im Januar im Rahmen des 40. Filmfestivals Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken uraufgeführt.  Regulär läuft er leider erst im Sommer in unseren Kinos an. Aber Du kannst Dir bereits jetzt den 29. August vormerken, an jenem Donnerstag fällt dann der Startschuss.

Im Rahmen des Festivals Achtung Berlin noch zu sehen:

AM

Samstag, 13.4., 20.30 Uhr
Sonntag, 14.4., 21 Uhr

IM

Kino Lichtblick, Kastanienallee 77, Prenzlauer Berg
fsk, Kreuzberg, Segitzdamm 2, Kreuzberg

FÜR
9 Euro Eintritt

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