Haus am Waldsee, Foto: AS
Haus am Waldsee, Foto: AS

Bruno und die Seesterne im Haus am Waldsee

Die Schau trägt den Titel „Bruno Pélassy and the Order of the Starfish“, der etwas irritiert, denn nicht nur der französische (und in Asien geborene) Künstler stellt hier aus, sondern auch Marc Camille Chaimowicz, Beth Collar, Jesse Darling (*1981), Brice Dellsperger (*1972), Leonor Fini (1907-1996), Ull Hohn (1960–1995), Natacha Lesueur (1*971), Soshiro Matsubara (*1980), Jean Painlevé & Geneviève Hamon, James Richards (*1980). Die Idee dahinter: Sein Werk soll dabei in den Austausch mit ausgewählten Arbeiten der oben Genannten treten. Pélassy, 1966 geboren, starb leider mit 36 Jahren in Nizza an den Folgen einer AIDS-Erkrankung, dessen Virus er aber immerhin lange trotzte.

Wie so häufig Homosexuelle war auch Pélassy zeit seines Lebens eine schillernde Figur, ein Grenzgänger, dessen Kunst sich nicht präzise einordnen lässt. Er malte, zeichnete, performte, drehte Filme und entwarf auch Schmuck, das alles autodidaktisch angeeignet, allerdings mit Verbindungen zur Kunstakademie Nizza, wo er angeblich an Vorlesungen und Workshops der Schmuck- und Textildesigner-Klassen teilnahm, ohne eingeschriebener Eleve zu sein.

Soshiro Matsubara, Entrance II; Last Night XLVIII, beide 2023. Courtesy der Künstler, Croy Nielsen, Wien. Foto: Frank Sperling

Hier knüpft die Schau gekonnt an, denn geschmeideähnlichen Schreine, ein Riesen-Phallus aus Perlen oder an Schnüre aufgefädelte Swarovski-Kristalle in Dildoanmutung erstaunen den Betrachter. Du wirst in das Sammelsurium über einen der terracottafarben getränkten Wandbehänge (gestaltet vom japanischen Künstler Soshiro Matsubara)- vielleicht passend zum Seestern Unterwasseratmosphäre suggerierend, in jedem Fall geheimnisvoll labyrinthisch wirkend – in die Räumlichkeiten geführt. Zuvor behandelt ein Video das titelgebende Thema der Ordnung der Seesterne.

Nun folgen raffiniert arrangierte Parfumflacons, ein Aquarium mit Tüll und Seide, das nach allen Richtungen eine Spiegelung erzeugt oder mystisch gestaltete Keramiken und Lampen. Zwei weitere Videoinstallationen im Untergeschoss und eine in der oberen Etage, bei dem schnelle Schnitte, Redundanz und die Musik etwas anstrengen, fehlen in dem Potpourri genauso wenig wie beispielsweise akkurate Portraitzeichnungen mit Bleistift oder kraftvoll verbogene Krücken, die jeder kennt, der schon mal einen Gipsfuß sein eigen nennen durfte.

Kunst will Dich zum Grübeln, Reflektieren, Unterhalten anregen oder manchmal auch einfach provozieren. Oft kommt sie wie ein Überraschungsei daher. Und das ist mit dieser Ausstellung hervorragend gelungen. Du erhältst neue Denkanstöße, schaust aus anderen Perspektiven oder findest alles nur mittelmäßig. Im Museums-Cafè lässt sich Resümee ziehen, den tollen Skulpturengarten erkunden oder der Krummen Lanke um die Ecke noch einen Besuch abstatten.

ORT
Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30, U-Bhf. Krumme Lanke
14163 Berlin-Zehlendorf

ÖFFNUNGSZEIT:

Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr
Jeder 2. Freitag im Monat von 11 bis 20 Uhr
Laufzeit bis 14. Januar 2024

EINTRITT:

8,-/erm. 5,- Euro

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